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Willkommen… mein Name ist Robert Herzog.

In meinen realen physischen Leben lehre ich über die Welt der Mode und deren angrenzende kreative Disziplinen, Zusammenhänge und Spielarten. Dies geschieht hauptsächlich an der Staatlichen Modeschule in Stuttgart und an der STF in Zürich. Mit meinem Wissen über Prozesse und Wechselwirkungen von Mode, Inspiration, Gesellschaft, Kunst, Musik und Geschichte wollte ich nicht länger alleine zwischen Stuttgart und Zürich pendeln.

In diese Welt soll es offenen Geistes fasziniert mit Euch gehen…

Der so entstehende Einblick in einen Teil meiner Gedankenwelt und in meine Positionen zur Mode sollen Lesern, Followern und Fans Anreize für eine spannende modische Auseinandersetzung geben.  Die Beiträge geben die Möglichkeit modische Inhalte, kreative Beweggründe im Umgang mit Kollektionen und Kollektionsphilosophien von national und international relevantem Modedesign exemplarisch tiefgründig nachzuvollziehen.

Dabei sind interdisziplinäre Gedanken von größter Wichtigkeit… lasst uns entdecken…

SUBKULTURELLE KLASSIK 1950- 1982

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Die Beschäftigung mit dem Feld subkultureller Klassik, also all den Kleiderstilen, die von der Straße geprägt sind, den klassischen Jugendkulturen, die Rocker, die Teddy- Boys, die Hipster, die Mods, die Skins, dem Punk und der Hip Hop- Kultur, stellt anhand von ikonographischen Kleider- und Bildbeispielen Bezüge von den stilistischen Experimenten dieser Jugendkulturen und dem modischen Jetzt her. Dabei geht es nicht nur um die Oberfläche der Kleidung, sondern um die Frage, welche Positionen zu Umwelt und Gesellschaft eben diese modische Ausprägung erzeugt.

Dabei verwende ich den Dreiklang einer historischen Recherche, die nach dem Ursprung des von der jeweiligen Jugendkultur verwendeten Kleidungsstücks fragt, über die soziokulturelle Aufladung, die zeigt welche Images und Bilder wir mit dem Kleidertyp heute verbinden, hin zur aktuellen Modeszene, die sich diesen Zusammenhängen in der kreativen Neuinterpretation stellen muss.

Über die Auseinandersetzung mit den bis heute stilprägenden Merkmalen der klassischen Jugendkulturen, entsteht ein tiefgreifendes Verständnis von Kleidertypen, das über eine rein historische Betrachtung hinausgeht.

Das möchte ich anhand der MA- 1 Bomberjacke stark gekürzt demonstrieren:

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Historische Recherche: Fliegerjacke aus Nylon, wurde am Ende der 40- iger Jahre von der U.S. Air Force als Ablösung der Lammfelljacken konzipiert.

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Soziokulturelle Aufladung: Jugendszene, Skinheads, Hooligans, Vorstadtkids mit  Migrationshintergrund, martialisch und maskulin.

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Modische Recherche: Vetements (2016), minimalistische, toughe Blousons, die von der Straße sprechen und Haute Couture mit subkultureller Authentizität verbinden.

MODE UND KOMMUNIKATION

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Mode ist Kommunikation! Ich gehe von der These aus, dass die Fläche, die Mode, Accessoire und Styling einnehmen, die größte dem Menschen zur Verfügung stehende nonverbale Kommunikationsfläche ist. Sie reicht von den Haarspitzen, über die Armspanne, bis hin zu den Fußsohlen.

Dieses Spiel von Codes, das sich zu eigen machen eines Systems von Zeichen, wie zum Beispiel der Mix von Designermode mit Vintageelementen, das „politisch korrekte“ Auto, die individuelle Wohnsituation, wird in der nonverbalen Kommunikation zu einem wichtigen Element der eigenen Identität und Bedeutung im Sinne der Verlängerung des Ichs.

Jeder verwendete Gegenstand und Kleidertyp, jede Stofflichkeit, jede Farbe hat einen feinen modischen Code, den wir intuitiv kennen und benutzen, um von unseren Träumen, Wünschen und unserer Person zu erzählen.

Als Gestalter und Beobachter von Mode ist es zwingend sich im Entwurfprozess mit nonverbaler Kleiderkommunikation zu befassen und deren Codes zu beherrschen. Sie sind das Alphabet der Stories und Aussagen von Kollektionen, die ein Modedesigner erzählt. Verstärkt werden nonverbale Kleiderkommunikationsformen durch Social Media, die sich eben diese Form der Kommunikation zum hauptsächlichen Zweck angeeignet haben. Die Kommunikation von Mode und Lebensgefühl auf einem Mobiltelefonbildschirm beeinflusst die Wahrnehmung von uns Menschen. Die Aussage von Mode muss sich immer stärker einem drei Sekunden Rhythmus der Wischbewegungen auf dem Mobiltelefon anpassen.

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SOZIOKULTURELLE EINFLÜSSE

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Aktuelle gesellschaftliche und soziokulturelle Themen beeinflussen das modische Geschehen nachhaltig. Das Thema Gesundheit nehmen wir heute als Religion wahr. Diese Wahrnehmung beeinflusst unser Körperideal, das sich im ausgemergelten Funktionskörper manifestiert. Die Behauptung, das es im Sinne der seit den 1990- ern anhaltenden Individualisierung ein modisches Richtig und Falsch nicht mehr gibt, wohl aber einen richtigen und einen falschen Körper trifft hier eindeutig zu. Unser Körperbild soll einer immer dymamischeren Umwelt signalisieren, dass mein Selbst stabil, wehrhaft und belastbar ist. Die Welt erscheint als sich immer schneller drehend und unkontrollierbar. In einer solchen Wahrnehmung wird der Körper als scheinbar letzte autonome Zone des Ich stilisiert. Diese Einstellung zeigt sich im Siegeszug der modischen Gattung Athleisurewear.

MODE UND KUNST

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Tendenzen aus der Kunst treffen auf die Mode und umgekehrt. Es findet eine wechselseitige Inspiration statt. So sind künstlerische Gestaltungsprinzipien aus der Postmoderne, „less is bore“ und als Gegenpol das Bauhaus, „less is more“, im Jetzt stark zu beobachten.

Durch die Omnipräsenz der digitalen Medien gewinnt eine der wichtigen Kernthesen der Postmoderne, die Präsenz der Vergangenheit im Sinne einer Gleichzeitigkeit und einer Parallelität der Stilelemente sowie der Informationen eine zentrale Bedeutung.

Als Weiterentwicklung dieses Gedankens können wir heute Mode als Collage verschiedenster Stilelemente begreifen. Diese Collagen im „Heute“ stehen zwar in der Tradition der Postmoderne, stellen sich aber deutlich radikaler dar. Folgte die Postmoderne noch einem Kanon in der Auswahl der Stilelemente, so wird dieser heute im Sinne einer Global Art komplett aufgelöst. Es gibt keine Grenzen mehr im Zusammenfügen möglichst konträr liegender Stilelemente. Es entsteht ein eklektisch anmutender, äußerst positiver Groove – „Style and Subversion“ – die Weiterführung und Neuinterpretation der Tradition der Postmoderne.

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Welcome … my name is Robert Herzog.

In my real physical life I teach about the world of fashion and its adjoining creative disciplines, contexts and varieties. This happens mainly at the State Fashion School in Stuttgart and at the STF in Zurich. With my knowledge of processes and interactions of fashion, inspiration, society, art, music and history I no longer wanted to commute by myself between Stuttgart and Zurich.

Follow me into this world it should open minded and fascinated…

The resulting insight into a part of my thoughts and my positions on fashion should give readers, followers and fans incentives for an exciting fashion debate. The contributions give the opportunity to comprehend fashionable contents, creative motivations in dealing with collections and collection philosophies of national and international relevant fashion design in an exemplary and profound way.

Interdisciplinary thoughts are of the utmost importance … let us discover …

SUBCULTURAL CLASSICS 1950-1982

Studying the field of subcultural classical music, that is, all the street-style dress styles, the classic youth cultures, the rockers, the teddy boys, the hipsters, the mods, the skins, the punk and the hip-hop culture, uses iconographic clothing and picture examples to draw references from the stylistic experiments of these youth cultures and the fashionable now. It is not just about the surface of clothing, but about the question of which positions to environment and society creates just this fashionable expression.

I use the triad of a historical research, which inquires into the origin of the garment used by the respective youth culture, about the sociocultural charge, which shows the kind of images and confotations we associate with the clothing type today, to the current fashion scene, which deals with these connections in of creative reinterpretation.

By examining the characteristics of classical youth cultures, which have left their mark on the style to this day, a profound understanding of types of clothing emerges that goes beyond purely historical considerations.

I would like to demonstrate this with the help of the MA-1 bomber jacket:

Historical Research: Nylon Flight Jacket, was developed by the U.S. at the end of the 1940’s. Air Force designed as a detachment of lambskin jackets.

Socio-cultural charge: youth scene, skinheads, hooligans, immigrant suburban kids, martial and masculine.

Fashion research: Vetements (2016), minimalist, tough blousons that speak of the street and combine haute couture with subcultural authenticity.

FASHION AND COMMUNICATION

Fashion is communication! I assume that the area that occupies fashion, accessories and styling is the largest non-verbal communication surface available to humans. It reaches from the hair tips, over the arm span, up to the soles of the feet.

This game of codes that embraces a system of signs, such as the mix of designer fashion with vintage elements, the „politically correct“ car, the individual living situation, becomes an important element of one’s identity and meaning in nonverbal communication in the sense of the extension of the ego.

Every object and type of clothing used, every material, every color has a fine fashion code that we intuitively know and use to tell about our dreams, wishes and our person.

As a designer and observer of fashion, it is imperative to deal with non-verbal clothing communication in the design process and to master their codes. They are the alphabet of the stories and statements of collections that a fashion designer tells. Nonverbal dress communication forms are reinforced by social media, which have just acquired this form of communication for the main purpose. The communication of fashion and lifestyle on a mobile phone screen affects the perception of us humans. The statement of fashion must adapt more and more to a three-second rhythm of swiping movements on the mobile phone.

SOCIO-CULTURAL INFLUENCES

Current social and socio-cultural topics have a lasting influence on the fashion scene. The topic of health we perceive today as a religion. This perception influences our body ideal, which manifests itself in the emaciated functional body. The assertion that there is no longer a fashionable right and wrong in the sense of the individualization that has persisted since the 1990s, but that a right and a wrong body is clearly applicable here. Our body image is intended to signal a more and more dynamic environment that my self is stable, defensible and resilient. The world seems to be turning faster and more uncontrollable. In such a perception, the body is stylized as the apparently last autonomous zone of the ego. This attitude is reflected in the triumph of the fashion – genre Athleisurewear.

FASHION AND ART

Trends in art meet fashion and vice versa. There is a mutual inspiration. For example, the artistic principles of postmodernism, „less is bore“ and, as the antithesis, the Bauhaus, „less is more,“ are now strongly observable.

Due to the omnipresence of the digital media, one of the important central theses of postmodernism, the presence of the past in the sense of a simultaneity and a parallelism of the style elements as well as the information is of central importance.

As a further development of this idea we can today understand fashion as a collage of various stylistic elements. Although these collages in „Today“ are in the tradition of postmodernism, they are much more radical. If postmodernism followed a canon in the selection of stylistic elements, it is today completely dissolved in the sense of a global art. There are no more limits in the combination of the most contrary style elements. The result is an eclectic, extremely positive groove – „Style and Subversion“ – the continuation and reinterpretation of the postmodern tradition.